Provinzgehabe 11FREUNDE

December 2024 · 5 minute read

SpVgg Bay­reuth (Platz: 20, Note: 4)

In Bay­reuth riecht es nach Regio­nal­liga. Ein Geruch, der den Pro­vinz­charme in sich trägt – und bei der SpVgg doch keine woh­ligen Hei­mat­ge­fühle her­vor­ruft. Eher schon: Brech­reiz. Das liegt natür­lich daran, dass Bay­reuth der Spiel­klasse erst im Sommer ent­flohen ist. Nur folgten 17 Dritt­liga-Spiele, in denen keine andere Mann­schaft weniger Tore erzielte (11) und weniger Punkte (13) sam­melte.

Aus­blick: Nam­hafte Neu­zu­gänge wären jetzt schön, doch fehlt in der Alt­stadt neben Punkten auch das Geld. Trotzdem: völlig hoff­nungslos erscheint die Situa­tion nicht. Bay­reuth hat zumin­dest punk­tuell bewiesen, dass es mit­halten kann, etwa beim über­ra­schenden 1:0 gegen die großen Münchner Löwen. Davon braucht es mehr, sonst bewahr­heitet sich die Pro­gnose: Abstieg.

SV Meppen (Platz: 19, Note: 5)

Löppt? Löppt nicht. Der Glanz des Erfolges scheint den SVM im Sommer geblendet zu haben. Wel­cher Erfolg?“, mag manch ver­un­si­cherter Bun­des­li­gafan fragen. Na, der zwölfte Platz in der Schlusss­ta­belle der Vor­saison, fernab jeder Abstiegsnot. Mit der Quasi-Meis­ter­schaft im Rücken konnten es sich die Ver­ant­wort­li­chen leisten, Trainer Rico Schmitt vor die Tür zu setzen – kurz nach der Ver­trags­ver­län­ge­rung. Es kam Stefan Krämer und eine Sieglos-Serie von 13 Par­tien am Stück.

Aus­blick: Sinn­bild für den Zustand des SVM gefällig? Nach der 0:3‑Pleite gegen Osna­brück riet der eigene Trainer einem Teil der Truppe, sich viel­leicht was Anderes zu suchen“. Da sprach die Ver­zweif­lung. Doch nicht aus­schließ­lich. Wenn die Hin­runde eines gezeigt hat, dann das Fol­gende: Meppen braucht neue Spieler. Die können aber nur ins Ems­land gelotst werden, wenn andere vorher zusam­men­pa­cken. Es bleibt also span­nend. Und beim Abstiegs­kampf. Und beim bösen Ende.

Erz­ge­birge Aue (Platz: 18, Note: 5)

Fri­scher Wind für fri­sche Auf­tritte. Unge­fähr so lau­tete die Devise, die Aue mit der Ver­pflich­tung des Bay­reu­ther Auf­stiegs­trai­ners Timo Rost im Sommer ausgab. War dann aber doch eher ein laues Lüft­chen. Nach neun Spielen ohne Sieg wurde Rost ent­lassen – und der FCE setzte zur Kehrt­wende an. Bis zum Winter durfte Carsten Müller ran, dann war die 180-Grad-Dre­hung geschafft und Pavel Dot­chev zu seiner dritten Amts­zeit ange­treten. Motto: Dot­chevs Erfah­rung wird es schon richten. Bitte.

Aus­blick: Nicht aus­ge­schlossen, dass Pavel Dot­chev tat­säch­lich die Kon­stante ist, die das Chaos in Aue vor­erst beru­higt. Dazu sollen neue Spieler kommen, am besten aus der 2. Bun­des­liga. Kilian Jakob vom KSC ist schon da. Für den Klas­sen­er­halt reicht das. Anschlie­ßend muss eine Kehrt­wende her.

FSV Zwi­ckau (Platz: 17, Note: 4)

In Zwi­ckau läuft dieser Tage ein Mär­chen von Hans Chris­tian Andersen. Nur rück­wärts. In Das häss­liche Ent­lein“ ver­wan­deln sich die stolzen Zwi­ckauer Schwäne zurück in grau­braune Tüm­pel­be­wohner. Noch im Sommer hatte sich der kleine FSV in voller Pracht prä­sen­tiert: starker zehnter Platz. Es folgte jedoch eine def­tige Etat­kür­zung und das Abrut­schen auf einen Abstiegs­platz.

Aus­blick: Der FSV kennt den Dritt­liga-Abstiegs­kampf aus dem Effeff und hat noch immer eine weit­ge­hend ein­ge­spielte Mann­schaft bei­sammen. Die Ruhe werden Trainer Enochs und Sport­di­rektor Wachs­muth also bewahren. Letz­terer ver­kün­dete bei liga3​-online​.de“ sogar breit­brüstig, dass dem FSV die bisher gesam­melten 16 Punkte nicht mehr zu nehmen seien. Das war er dann wohl: der stolze Schwan in Toni Wachs­muth.

VfB Olden­burg (Platz: 16, Note: 3)

In den späten Acht­zi­gern, zu Olden­burger Zweit­li­ga­zeiten, begab sich die Kon­kur­renz bei Aus­wärts­spielen in die Hölle des Nor­dens. Von diesem Ruf ist der VfB mit bisher zwei Heim­siegen weit ent­fernt. Doch darum geht es auch nicht. Olden­burg ist nach 25 Jahren zurück im Pro­fi­fuß­ball – und möchte dort bleiben. Ein Punkt aus den ver­gan­genen sieben Spielen ist aller­dings zu wenig.

Aus­blick: Olden­burg steht punkt­gleich mit Zwi­ckau über dem Strich und ist damit im Soll. Doch wie Trainer Dario Fossi sagte, ist für den VfB Olden­burg jedes Spiel ein Limit­spiel.“ Und zuletzt lag das Olden­burger Limit doch ein gutes Stück unter dem der Kon­kur­renz. Abhilfe könnte unter anderem der bun­des­li­gaer­fah­rene Marc Sten­dera schaffen, der dem Mit­tel­feld mehr Struktur geben soll. Klappt das nicht, wartet auf den VfB eine ganz per­sön­liche Hölle: die Regio­nal­liga Nord.

Hal­le­scher FC (Platz: 15, Note 4)

Kurz vor Weih­nachten lederte der Präsi los: Jens Rau­schen­bach nahm sich die Per­so­nal­po­litik seines Klubs vor, schoss in Rich­tung Trainer André Meyer und Sport­chef Ralf Minge. In der Mit­tel­deut­schen Zei­tung“ sagte er: Wir stehen bei der sport­li­chen Ent­wick­lung nicht da, wo wir sein wollten.“ Gut, das kommt nicht über­ra­schend, schließ­lich steht der HFC nur auf­grund der Tor­dif­fe­renz über dem Strich.

Aus­blick: Nach­rüsten, nach­rüsten, nach­rüsten, das wäre es jetzt. Doch wurde der Etat bereits im Sommer kom­plett ver­prasst – und der Kader dabei noch ver­klei­nert. Im Winter konnte bis dato nur der ver­eins­lose, frü­here Lau­tern-Ver­tei­diger Alex­ander Winkler an Land gezogen werden. Ansonsten: wenig Spiel­raum auf dem Trans­fer­markt. Genau wie bei der End­plat­zie­rung. Der HFC bleibt unten drin.

Borussia Dort­mund II (Platz: 14, Note: 3)

In der ver­gan­genen Saison hielt der BVB lange den Anschluss nach ganz oben. So doll ist es heute nicht mehr. Doch auch für Platz 14 muss sich nie­mand schämen. Man bedenke, dass Dort­mund im Sommer gleich eine ganze Gruppe Spieler an Zweit­li­gisten, Trainer Enrico Maaßen sogar an Bun­des­li­gist Augs­burg ver­loren hat.

Aus­blick: Achtmal 3. Liga, einmal Bun­des­liga, zweimal Cham­pions League: Das sind die Sta­tis­tiken von BVB-Innen­ver­tei­diger Anto­nios Papado­poulos. Einer von vielen Talen­tierten im wert­vollsten Kader der Liga (rund zwölf Mil­lionen). Doch das reichte den BVB-Raff­zähnen nicht. Auch Offen­siv­ta­lent Cyrill Akono läuft künftig für Dort­mund statt Verl auf. Mehr als ein Mit­tel­feld­platz wird es trotz aller Klasse nicht – dafür sorgen die Grät­schen der holz­bei­nigen Gegen­spieler.

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